Das Dach der Welt erfahren

Überquerung des Himalaya mit dem Cyclocross-Rennrad ...

 

Der Manali-Leh-Highway verbindet die Städte Manali, den Ausgangspunkt der Reise, im Süden und Leh im Norden auf einer Strecke von 477 Kilometern. Er ist die höchste mit Kraftfahrzeugen befahrbare Straße der Welt und gehört durch laufende Erdrutsche und sehr schwierige Straßenverhältnissen die zahlreiche Unfälle zur Folge haben zu den gefährlichsten Highways der Welt. Als Militärstraße dient er der Versorgung der an der Grenze zu Pakistan gelegenen Städte und dem Nachschub im Krisenfall.

Die Schwierigkeit des Highways liegt in den unberechenbaren Straßenverhältnissen die oftmals die Durchquerung von tiefen Morast und Wasserläufen erfordern sowie dem bunt gemischten Verkehr der sich vor allem aus LKWs, PKWs, Motorrädern, Pferden und heiligen Kühen zusammen setzt.

 

‚Die höchste und eine der gefährlichsten Strassen der Welt‘

 

‚Aber die allergrößte Herausforderung ist: es tatsächlich zu machen.‘

 

Tagelanges Fahren und Schlafen auf rund 5.000 Metern über dem Meeresspiegel sind eine große Herausforderung. Sie treibt die Sauerstoffstättigung im Blut oft stundenlang auf unter 75% und manchmal steht sogar ein Sechser ganz vorne am Pulsoximeter. Eigentlich ist man damit auf der Intensivstation. Aber so sind Rennradfahrer: ihr Leben beginnt dort, wo die Komfortzone endet.

Zur notwendigen Ausdauerfähigkeit kommt die Höhentauglichkeit des Fahrers. Es gibt noch kein verlässliches Verfahren um diese im Vorhinein zu bestimmen. Auch kann Sie von Jahr zu Jahr, von Tag zu Tag deutlich schwanken.

 

 

 

Wenn das Reisegepäck 50 Kilogramm wiegt und davon nur drei Unterhosen und zwei T-Shirt der Zivilkleidung zurechenbar sind, ergeben sich in der Vorbereitung aber auch in der Anreise und dem fast täglichen Wechsel der Schlafstätte nennenswerte Herausforderung. Wenn der Fahrer einmal das Knacken des Drehmomentschlüssels beim Anziehen der drei Euro teuren Klemme für die Sattelstütze überhört bricht diese – wie zu Hause. Allerdings gibt es im Umkreis von 1.000 Kilometern keinerlei Ersatzteile für das Cross-Rennrad. Eine zentrale Herausforderung ist drei Wochen gesund und voll fit zu bleiben. Durch die Anstrengung ist das Immunsystem im Keller und trifft dort auf täglichen Ortswechsel, Schlafen und Essen am Erdboden in Zelten, Temperaturschwankungen von 30 Grad bis unter den Gefrierpunkt, eine Woche ohne Fließwasser und ungewohnte Formen der Hygiene.

Nicht vergleichen mit der eigenen Kultur, schon gar nicht bewerten. Nicht alles reduzieren auf materielle Armut, sondern die vielen Formen des Reichtums erfahren. Oder: das Chicken Tikka Masala nicht mit dem heimischen Wiener Schnitzel messen.

 

Mit einer Höhe von 6.153 m und dem damit verbunden geringen Sauerstoffpartialdruck, den Unmengen von Geröll, Eis und Wasser und der Notwendigkeit von Steigeisen zu Eisfeldquerungen in verlässlicher Seilschaft ist der Stok Kangri nicht ganz einfach. Weniger als 50 Prozent der Seilschaften die im Basislager starten erreichen den Gipfel, vor zwei Tagen stützte ein Inder tödlich in die Tiefe und unser Guide fand vor wenigen Monaten zwei Franzosen in ihrem Zelt – erschlagen von einer Felslawine.

‚Kein Mensch bezwingt die Natur, sie schlägt auch nicht zurück. Wir sind ihr einfach gleichgültig. Diese Demut lehrt sie uns.‘